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Ausdrucksstark.

Druckwindinstrumente.
Das Sortiment an Druckwindinstrumenten, das meine Ausstellungsräume bevölkert, beginnt mit den einspieligen. Für jemanden, der mit dem Expressionsspiel noch nicht vertraut ist, ein guter Einstieg, um diese Technik zu erlernen.

Oh, ich war zu schnell und habe noch nicht erklärt, was man unter Expressionsspiel versteht?

In der Regel hat ein Druckwindinstrument nicht die Kniehebel, die beim Saugwindharmonium eine dynamische Gestaltung ermöglichen. Zur Erinnerung: der linke Kniehebel ist für das Volle Werk zuständig, schaltet also per Kniedruck (bei guten Instrumenten sogar nach und nach) alle Register ein, der rechte öffnet stufenlos Schwellklappen, die dem Schall freie Bahn nach draußen gewähren. Von Nachteil ist, daß mit einer Lautstärkeänderung immer auch eine Änderung der Klangfarbe einhergeht.
Ganz anders beim Druckwindharmonium. Es verfügt über ein (Expressions-)Ventil, mit dem man den großen Magazinbalg, der den Spielwind bevorratet, verschließt, so daß man nur noch genau so viel Luft zur Verfügung hat, wie man gerade mit den Schöpfbälgen mittels der Tretschemel erzeugt – je kräftiger man drückt, umso lauter wird der Ton. Man hat also die Dynamik wortwörtlich unter den Füßen, und das ohne Klangänderung. Das Problem dabei ist, daß irgendwann der eine Fuß ganz unten ist, und wenn man nicht rechtzeitig den anderen dazu nimmt, produziert man in liegenden Tönen lustige Löcher. Diese Ablösung der Tretschemel will also geübt sein. Wenn man's kann, eröffnet das höchst anspruchsvolle musikalische Möglichkeiten, weshalb ambitionierte Musiker oft das Druckwindharmonium bevorzugen.
Soweit der Exkurs.

Auch bei den Druckwindinstrumenten gilt: es kommen immer wieder neue Modelle aller Größen in die Werkstatt, aber weil so viel zu tun ist, landen nicht alle dieser Harmoniums gleich auf der Website. Fragen Sie einfach nach, wenn Sie etwas Spezielles suchen!



Thomas Higham, Manchester (um 1880)
Balganlage
Ventile
Nach gut 80 Stunden Restaurierungsaufwand, unter Erhaltung der historischen Substanz und Verwendung von originalen Materialien, ist dieses alte englische Druckwindharmonium mit einem sonoren 8'-Register nicht nur wieder ein voll funktionsfähiges Musikinstrument, sondern auch eine wunderschöne, reizvolle Antiquität von hohem, bleibendem Wert.
Tretschemel
vorher
Tonumfang: C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven)
Maße: 109 cm breit, 85/95 cm hoch, 36 cm tief. 32 kg
nachher
Kaufpreis 2.590,- € Aktionspreis 2.000,- €

F. Barrouin, Paris (2. Hälfte 19. Jhdt)
Über die Werkstatt und die Arbeiten Barrouins ist nicht viel bekannt, außer, daß er in der Rue de Sèvres Nummer 91 in Paris ansässig war und für seine Instrumente mehrfach mit Ehrenmedaillen ausgezeichnet wurde.
Das mag man verstehen, wenn man dieses Instrument hört: Sein Erbauer hat es verstanden, die Zungen des sehr geschätzten Herstellers Estève in diesem einspieligen Druckwindharmonium klanglich zu einem vollen, sonoren Klang zu veredeln.
Tonumfang: C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven)
Maße: 104 cm breit, 82/99 cm hoch , 37 cm tief

Gewicht: 47 kg
Stimmtonhöhe 440 Hz
Kaufpreis 2.790,- €

Neubau Klaus Langer (2010)
unter Verwendung historischen Materials
Was macht man, wenn ein altes Instrument zwar über historische musikalische Substanz verfügt, seine schon nicht mehr originale Hülle aus der Nachkriegszeit stammt, aber schlecht verarbeitet und vom Holzwurm befallen ist? Man gibt der Seele einen neuen Körper!

So geschehen mit diesem dreispieligen Druckwindharmonium, dessen Ursprung auf die Stuttgarter Firma Philipp Trayser zurückgehen könnte, denn viele Details der Spielanlage sprechen dafür. 8' 16' 4' sowie Sourdine und Tremblant machen die Musik, ergänzt von Grand Jeu und Expression.

Das neue Gehäuse aus Birke Multiplex sollte schlicht und funktional sein, also auch einem Einsatz im Bühnenbetrieb standhalten. Daher gibt es stabile Rollen, ergonomisch angebrachte Transportgriffe und einen einklappbaren Notenständer. Zugleich wurden die Bälge neu bezogen und die gesamte Spielanlage überholt.

Aber wie das immer so ist: Dann kommt etwas Aktuelles dazwischen, und das Werk bleibt unvollendet (es muß noch der 16' gestimmt werden) – wenn es mal wieder ruhiger in der Werkstatt ist...

Obwohl es sich um ein Druckwindinstrument mit Expression handelt, wird auch der ungeübte Harmoniumspieler damit zurecht kommen, weil die Kniehebel in der Funktion einem Saugwindharmonium entsprechen – ein guter Kompromiß z.B. für die Rossini-Messe.

Tonumfang: C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven)
Maße: 107 cm breit, 102 cm hoch (mit ausgeklapptem Notenständer 119 cm), 61 cm tief
Stimmtonhöhe 443 Hz
Noch in Arbeit...

Drnckwindharmonium, 2spielig mit Percussion, vermutlich Ernst Hinkel, Ulm (ca. 1925)
Ein Mietinstrument mit besonderen Eigenschaften – neben einem durchsetzungsfähigen und voluminösen Klang eignet es sich auch für Musiker, die noch wenig Erfahrung mit dem Expressionsspiel haben, denn die beiden Kniehebel sind wie beim Saugwindharmonium für Volles Werk und die Schwellklappen eingerichtet. Dazu kommt eine Percussion auf dem 8', die nicht nur für perlendes Spiel und schnelles Trillern hilfreich ist, sondern auch eine reizvolle, zusätzliche Klangfaber produziert.
Forte [F]
Horn Echo 8' [1p]
Bourdon 16' [2]
Engl. Horn 8' [1]
Percussion 8' [1]
Expression [E]
[F] Forte
[1p] Hohlflöte 8'
[2] Clarinette 16'
[1] Flûte 8'
[1] Percussion 8'
Volles Werk [G]
Tonumfang:
Maße:

Stimmung:
C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven)
cm breit)
cm hoch (spielbereit cm), cm tief
443 Hz
Kaufpreis: 3.990,- €

William Lehmann, Cöln (Baujahr unbekannt)
Nicht immer ist das, was draufsteht, auch drin: Ein Harmoniumbauer des Namens William Lehmann war mir völlig unbekannt, aber auf dem Fundamentbrett ist mit Bleistift notiert "Straube, Berlin".
Das würde so manches erklären: Die wuchtigen Ziersäulen sind mir dort schon begegnet an Instrumenten aus den 1870-80er Jahren.
Die sehr praktikable Disposition des Viereinhalbspiels lautet:
Forte [0]
[0] Forte
OBERMANUAL
Sourdine, wirkt auf (4) [S]
Basson 8' [4]
Clairon 4' [3]
[C] Celeste 8' mit (4)
[4] Hautbois 8'
[3] Flageolett 4'
UNTERMANUAL
Bourdon 16' [2]
Cor anglais 8' [1]
[2] Clarinette 16'
[1] Flûte 8'
Grand Jeu [G] COPPL. MANUAL Expression [E]
Zwei Manuale C bis c'''' (je 61 Tasten, 5 Oktaven)
Maße: 120 cm breit, 100 cm hoch, 75 cm tief
Tretschemel einklappbar
Wegen des nur noch zur Hälfte erhaltenen Deckels wird eine Kunstlederschutzhülle mitgeliefert.
Stimmtonhöhe 442/443 Hz
Kaufpreis: 5.120,-€

H. Balthasar-Florence, Namur (Belgien)
Dieses farbenreiche Druckwindharmonium bietet für den Konzertbetrieb neben drei Spielen im Baß und fünf im Diskant feine dynamische Differenzierungsmöglichkeiten durch raffinierte Klangabschwächungen der einzelnen Stimmen.
Zum einen steuern kleine Regelbälge in den Zungenkammern die Luftzufuhr beim Sourdine-Spiel, so daß die Töne auch bei vollgriffigem Spiel nicht "verhungern". Zum anderen ermöglichen die beiden Kniehebel über zwei wirkungsvoll angeordnete Schwellklappen eine Differenzierung der Lautstärke in Baß und Diskant – das ist zwar nicht im eigentlichen Sinne eine Doppelexpression, aber ebenso verwendbar.
Grand Jeu und die Prolongementaufhebung werden mit Hackenhebeln betätigt.
Disposition:
Prolongement C-H [Prol]

Dolce 4' [D]
Sourdine 8' [S]
Viola 4' [3]
Bourdon 16' [2]
Cor anglais 8' [1]

Expression [E]
[S] Sourdine 32'
[D] Dulciana 16'
[S] Sourdine 8'
[7] Baryton 32'
[6] Voix celeste 16'
[3] Fifre 4'
[2] Clarinette 16'
[1] Flute 8'
Tonumfang: C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven)
Stimmtonhöhe 440/441 Hz
Maße: Breite ca. 130 cm Tiefe ca. 60 cm
Höhe ca. 107 cm / spielfertig ca. 128 cm
Kaufpreis: 5.490,- €

Gilbert, Paris (Frankreich, nach 1925)
Die Firma Gilbert in Paris, selbst um 1840 gegründet und Hersteller von "Melodions", übernahm später den Betrieb von Alexandre Rousseau und setzte dessen Harmoniumbau fort.
Dieses Instrument ist ein klassisches Vierspiel, erweitert um drei halbe Zungenreihen im Diskant, von denen die 16' Musette mit der 16' Clarinette zu einer kräftigen Voix celeste kombiniert werden kann. Als zweite, zarte Diskantschwebung hat die 16' Harpe eolienne jeweils zwei Zungen gleichen Tonnamens in halber Rahmenbreite unmittelbar nebeneinander montiert, wie es auch bei Mustel üblich war.
Eine Doppelexpression gibt es nicht; die beiden Kniehebel bedienen wirkungsvoll die Forteklappen der hinteren Spiele 3, 4 und H.
Forte [0]
Sourdine, wirkt auf (1) [S]
Jeu doux, wirkt auf (3) [JD]
Basson 8' [4]
Clairon 4' [3]
Bourdon 16' [2]
Cor anglais 8' [1]

Expression [E]
[0] Forte
[T] Tremblant, wirkt auf (2)
[H] Harp eolienne 16' (zwei Reihen)
[C] Voix celeste 16' (Musette & Clarinette)
[M] Musette 16'
[4] Hautbois 8'
[3] Fifre 4'
[2] Clarinette 16'
[1] Flûte 8'
Tonumfang:
C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven), Transponierklaviatur
Maße:
120 cm breit (mit Rollen 141 cm)
119 cm hoch (spielbereit 128 cm)
72 cm tief
Stimmtonhöhe 442/443 Hz
Kniehebel: Forte Baß (links) / Diskant (rechts), Grand Jeu (Mitte)
Kaufpreis: 6.290,-€

Alexandre Père & Fils, Paris (um 1875)
Beginnen wir den Reigen der erwerbbaren Druckwindinstrumente gleich mit einem besonderen Exemplar: Dieses Harmonium ist zwar "nur" ein klassisches Vierspiel, erweitert um einen zweiten 16’ im Diskant (Musette) und einige vorwählbare Klangkombinationen (Violoncelle, Saxophone, Celeste, Cornemuse), hat jedoch bereits die besonderen Einrichtungen eines Kunstharmoniums.
Neben der Doppelexpression, die mit ihren beiden Kniehebeln unterschiedliche Dynamikgestaltung für Baß und Diskant ermöglicht, ist auch eine Percussionseinrichtung auf der 8’ Grundstimme vorhanden. Dabei werden mit kleinen Filzhämmerchen die Zungen angeschlagen, um ein perlenderes Spiel, eine schnellere Tonansprache und einen besonderen, zusätzlichen Klangeffekt zu erzeugen.
Für einen ambitionierten Musiker ist dieses Instrument die richtige Wahl, wenn man sich mit französischer Originalliteratur beschäftigen möchte – und zudem ein brillantes Konzertinstrument!
Disposition
Forte (3 et 4) [0]
Tremolo (4) [T]
Violoncelle (1+3+4) [V]
Saxophone (1+4) [S]

Basson 8' [4]
Clairon 4' [3]
Bourdon 16' [2]
Cor anglais 8' [1]
Percussion ou Cor anglais [1]

Grand Jeu
[0] Forte
[T] Tremolo (2)
[C] Cornemuse (2+3)
[C] Celeste (2+5)
[5] Musette 16'
[4] Hautbois 8'
[3] Fifre 4'
[2] Clarinette 16'
[1] Flûte 8'
[1] Percussion ou Flûte

Expression double
Tonumfang: C bis c'''' (61 Tasten, 5 Oktaven)
Maße:
120 cm breit (mit Rollen 141 cm)
119 cm hoch (spielbereit 128 cm)
72 cm tief
Stimmtonhöhe 440 Hz
Kaufpreis: 7.290,-€


Schon verkauft / vermietet (mit Trennungsschmerz...)
Ob dieses Harmonium eines bislang nicht zu ermittelnden Erbauers tatsächlich einmal auf einem Dreimaster-Segelschiff in der Offiziersmesse mitgefahren ist, wie mir der norddeutsche Vorbesitzer versicherte, konnte ich nicht herausfinden. Sicher ist jedoch, daß es in der Windlade sein Geburtsdatum eingeprägt hat: den 26. Juni 1886.
Historisch wertvoll ist es so oder so – die Bauform ist eher selten anzutreffen. Der mit den Tretschemel-Schöpfern erzeugte Spielwind wird durch die beiden gedrechselten Standsäulen in den Windkasten gefüht, um die Zungen der viereinhalb Oktaven umfassenden Klaviatur zu versorgen.
Besonders schön sind auch die Stirnseiten der Tasten gestaltet, und kostruktiv interessant ist der sich nach rechts öffnende Magazinbalg in Keilform – alles nach einer gründlichen Restaurierung wieder im originalen Zustand.
Säulenharmonium, Druckwind (1886)
Tonumfang: C bis f''' (54 Tasten, 4 1/2 Oktaven)
Maße: 86 cm breit, 86/98 cm hoch, 35 cm tief, ca. 26 kg

Schiedmayer Pianofortefabrik, Stuttgart (zwischen 1915 und 1920)
Dieses zweimanualige Druckwindharmonium ist einfach unvorstellbar: Auf zwei Manuale mit 5½ Oktaven Umfang verteilen sich 10 Spiele im Baß und 13 Spiele im Diskant, mit denen keine klanglichen Wünsche mehr offen bleiben. Doppelexpression, Prolongement (mit Hackenauslösung), Percussion, Metaphone, Forte Fixe und Manualkoppel (alle in Baß und Diskant geteilt) ergänzen als Spielhilfen die Klangfarben. Auch das Grand Jeu ist ein Hackenhebel mit "Airbag": ein kleiner Bremsbalg verhindert, daß beim Abstoßen ein lautes Geräusch entstehen kann.

Die Stimmtonhöhe ist die ursprüngliche von ca. 437 Hz, ein Höherstimmen absolut unbezahlbar: knapp 900 klingende Zungen mechanisch zu bearbeiten und bei jedem Stimmvorgang eine mehr als 70 kg schwere Spielanlage auf- und zuzuklappen ist weder körperlich noch finanziell zu stemmen. Auch wenn es also ideal für Richard Strauß' "Ariadne auf Naxos" wäre:– es wird wohl bei der solistischen Verwendung bleiben müssen...

Die Balganlage ist komplett neu bezogen, fehlende Zungen ergänzt, die Mechanik vollständig überholt, die Doppelexpression sorgfältig eingestellt und alle Verschleißteile sind einer gründlichen Revision unterzogen worden. Jetzt bleibt also nur noch reines Spielvergnügen!

Seriennummer 50.887

Disposition:

Obermanual Baß C-e'

Metaphone, Forte Fixe

Violon 16' (Halbzug C-H) [9]
Unda maris 8' schwebend [8]
Violoncello 8' (Halbzug Piano) [7]
Aeolsharfe 2' (Halbzug Piano) [5]
Basson 8' [4]
Viola 4' [3]


Untermanual Baß C-e'

Horn 8' [6]
Baßtuba 16' (Halbzug C-H) [2]
Englisch Horn 8' (Halbzug Piano) [1]
Percussion [1P]

Prolongement C-H
Manualkoppel Baß

Obermanual Diskant f'-f''''

Metaphone, Forte Fixe

[II] Aeolsharfe 8' schwebend
[10] Gamba 16'
[9] Vox angelica 16' schwebend
[I] Aeolsharfe 8' schwebend
[7] Baryton 32'
[4] Oboe 8'
[3] Violine 8'

Untermanual Diskant f'-f''''

[6] Voix celeste 16' schwebend
[5] Musette 16'
[2] Clarinette 16'
[1] Flöte 8'
[1P] Percussion

Manualkoppel Diskant

Spielhilfen:

Expression
Doppelexpression
Talonniere Prolongement
Talonniere Grand Jeux

Abmessungen:
B 134 cm Korpus / 158 cm Rollen
H 131 cm, T 89 cm (paßt nicht
durch normale Wohnungstüren!)
Gewicht deutlich jenseits von 250 kg.


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